Nachtlied (Leylin/Shandral, Leylin/Melvyn)

Hier könnt ihr eigene Texte oder Bilder etc. vorstellen und darüber diskutieren
Antworten
Steff
Hüter der Geheimnisse
Hüter der Geheimnisse
Beiträge: 72
Registriert: Do 16. Jul 2009, 14:05

Nachtlied (Leylin/Shandral, Leylin/Melvyn)

Beitrag von Steff » Sa 13. Okt 2012, 01:37

Eine kleine Fanfiktion von mir über das erste Treffen von Leylin und Shandral und die Folgen jener Begegnung.
__________


Nachtlied



Wie jedes Lied, das uns mit sich reißt, kennt auch dieses Höhen und Tiefen, bittersüße Strophen und schmerzerfüllte Verse - und ein berührendes Finale.




Es war ein finsterer Junitag, der sich trübe und wolkenbehangen dem Abend neigte. Die Luft war schwül und drückend, der Geruch von Regen und Gewitter hing in ihr und machte jedermanns Kopf schwer. Um diesem erdrückenden Gefühl zu entrinnen, welches jenes nahende Gewitter mit sich brachte, floh man in die kühlen Mauern seiner Häuser, der Ruhe vor dem Sturm argwöhnisch den Rücken kehrend.

Doch am Fuße des weitläufigen Gebirges der Mondberge, zwischen Arkadiens Tälern und der Steppe des Windlandes zog es eine junge Elfe in ebenjene knisternde Stille. In den hügeligen, von mächtigen Baumstämmen besetzten Gärten ihrer Eltern hatte sie den schattigen Platz hinter Steineichen gewählt und lauschte den vereinzelten Regentropfen, die einen wahren Sturzbach anzukündigen gesuchten, indem sie auf das Blätterdach weit über ihr trommelten.

Die Elfe hatte die Beine zu einem Schneidersitz gefaltet, auf ihrem Schoß hielt sie einen dicken Gedichtband in ihren Händen, der in einer Sprache verfasst war, die sie weder lesen noch verstehen konnte.

„Wo meine Stimme versagt,
wo selbst sanft geflüsterte Worte zu harsch erschienen,
lasse ich mein Herz zu dir sprechen,
meine Augen dich verstehen.
Töne und Rhythmen, die nur wir beide wahrzunehmen vermögen …“




Mondauge fuhr sich mit der Hand über die Stirn, die Augen fest auf die fremden Zeichen der Selkies, den Robbentöchtern des Lord Eleborns, gerichtet. Konzentriert versuchte der kleine Blütenfeenmann, der es sich auf ihrem Knie gemütlich gemacht hatte, die nächsten Worte ins Elfische zu übersetzen, um sie ihr vorzutragen.

Lächelnd bedachte die Elfe ihren kleinen Freund. Mondauge war für seine bemessene Größe viel zu stur. Es war offensichtlich, dass ihm die Hitze hier draußen nicht gut tat, dennoch weigerte er sich, auf ihren Rat zu hören und sich zurück ins Haus zurückzuziehen. Der Feenmann wollte ihr weiter die Gedichte übersetzen, um sie glücklich zu machen.

Gerade als die geflügelte Gestalt erneut ansetzen wollte, tippte sie sanft mit dem Finger gegen seinen Rücken: „Danke, Mondauge, aber der Regen wird stärker. Wir sollten Heim.“

Er schien erleichtert, dass sie diesen Entschluss gefasst hatte. Also schlug sie das Buch zu und erhob sich, um den Weg zurück zum Haus einzuschlagen. Mondauge erhob sich schwerfällig in die Lüfte, deutlich war ihm die Anstrengung im runden Gesicht anzusehen. „Diese dicke Luft macht es mir so schwer zu fliegen!“

Als die Elfe ihm feixend die Hand hinhob, ließ sich Mondauge hineinfallen und kletterte in ihr dickes dunkles Haar. Mit den Jahren war ihr Zopf so lange gewachsen, dass er mittlerweile fast bis zu ihren Fesseln reichte. So musste sie achtgeben, als ihr Weg durch Hecken und Farne führte, dass sie sich nicht verhedderte. Bald ließ sie die letzten Bäume hinter sich und betrat mit nackten Füßen das Gras hinter dem Haus ihrer Eltern.

Der Regen wurde stärker als sie durch das schattig feuchte Grün neben dem Pavillon ging und mit trübsinnigem Blick die Fassade des doppelstöckigen Steinhauses musterte, die von den letzten Sonnenstrahlen erhellt wurde. Prachtvoll war das Haus nicht, insbesondere nicht die Rückseite. Der Zerfall hatte zahlreiche zugige Löcher im Stein hinterlassen. Hier und da wucherte entgegen allen Bemühungen, es loszuwerden, schlammgrünes Moos.

Ihre Mutter schämte sich regelrecht für ihr Heim und vermied es stets, Besuch mitzubringen. Doch die Elfe wusste auch, dass es äußerst schwer sein konnte, ihre Mutter überhaupt zufrieden zu stellen, so sehr man sich auch anstrengte. Sie beanspruchte stets das Beste für sich allein, und gab sich nie mit etwas anderem zufrieden. So gab sie auch nicht den Traum auf, eines Tages in die Kreise der Edlen unter den Elfen aufzusteigen und sich dort Rang und Namen zu verschaffen.

Die Dunkelhaarige verstand dieses Bestreben überhaupt nicht. All jene Treffen mit den Freundinnen ihrer Mutter, welche vom selben pompösen Leben träumten, waren für sie voll Langeweile erfüllt gewesen. Diese Verabredungen glichen viel mehr einem Possenspiel, in dem sie die Fürstenhöfe und ihre Sitten auf den Arm nahmen, als die wahrhaftige Absicht, diese zu üben und zu praktizieren. Das stundenlange Schnattern über den Klatsch der Fürstenhäuser Albenmarks, das endlose Nähen, Sticken, Musizieren, die Ausritte im Damensitz zu Picknicken, bei denen über zweifelhafte Poesie und die nennenswerten Fähigkeiten der bekannten Männer der Umgebung diskutiert wurde. Dabei hatte sie allerdings Zweifel, ob diese Frauen wirklich Ahnung von dem hatten, über das sie so ausführlich debattierten …

„Leylin!“, hallte es plötzlich mit schwerem Nachdruck durch den Garten.

Die Angesprochene schrak auf und stellte fest, dass sie hinter dem schattigen Pavillon innegehalten hatte – wie oft war ihr Name schon gerufen worden? Mondauge war vor Schreck fast von ihrer Schulter gerutscht. Der Regen platschte ihm ins Gesicht.

Auf der steinernen Terrasse hinter dem Haus stand ihre Mutter, welche in einer verzweifelten Geste die Hände in die Luft warf und daraufhin augenblicklich zu ihr herüberstürmte. Mit aufgeregter Stimme rief sie: „Da bist du ja, den Alben sei Dank!“

Leylin war verwundert, nur selten nahm ihre Mutter den Namen der Alben in den Mund. Was mochte nur geschehen sein, dass sie so in Aufregung war und sie sogar den stärker werdenden Regen zu vergessen schien?

„Oh, Leylin, meine wunderschöne Tochter!“, rief sie plötzlich voller Begeisterung. Als sie bei ihr angekommen war, packte sie Leylins Handgelenk und zog sie unter das Vordach des Pavillons.

„Du wirst mir nie glauben, was geschehen ist!“ Die hellen Augen ihrer Mutter begannen zu strahlen, dass es Leylin unwohl wurde. So hatte sie ihr Gegenüber noch nie erlebt. „Unsere Gebete wurden erhört“, sagte sie eindringlich und nahm dabei die Hand ihrer Tochter in ihre: „Dein Gesicht ist so makellos, deine Haut so rein wie frisch gefallener Schnee … ich hoffe, er mag dunkle Augen. Vielleicht findet er sie anziehend?“

Leylin runzelte die Stirn: „Mutter, bitte sag mir doch, was geschehen ist!“ Sie war es ganz und gar nicht gewohnt, dass ihre Mutter mit solchen Worten von ihr sprach. Wenn sie recht entsann, war es das allererste Mal …

Doch ihre Mutter überging ihre Frage einfach, tat so als wäre sie vom Rauschen des Regens verschluckt worden.

Nur am Rande bemerkte Leylin, wie ihre Mutter eine aus ihrem langen Zopf gelöste Strähne ihres Haars ergriff, während am Himmel der erste Blitz mit krummen, grellen Fingern zuckte. „Doch dein Haar wird er lieben, ganz bestimmt! Niemand hat solch langes, volles Haar wie du!“ Ihre Mutter trat hinter sie und machte sich daran, ihren schweren Zopf zu öffnen. „Mutter, was … !?“

„Still jetzt und hör mir zu!“, raunte sie bestimmend, während sie das Flechtwerk löste. „Du musst an alles denken, was ich dir beigebracht habe. Wir haben Besuch bekommen. Ein äußerst hoch angesehener Elf und seine Begleiter haben für die Nacht eine Bleibe bei uns ersucht, wegen des Unwetters– ach, dieses Wetter ist ein Segen für unsere Familie! Leylin, wenn du es schaffen könntest, ihm zu imponieren … du musst wissen, dass er noch ledig ist, nach dem, was man sich erzählt.“ Ihre Stimme schlug wahre Kapriolen, während es Leylin flau im Magen wurde. „Lächle viel, lache über seine Witze, streiche dir wie zufällig durchs Haar und höre allem, was er sagt, genau zu! Versuche bitte, ein einigermaßen intellektuelles Gespräch mit ihm zu führen und ihm nicht gleich auf die Nase zu binden, was für eine dusslige Kuh …“

Plötzlich griff ihre Mutter nach dem Saum ihres knöchellangen weißen Kleides. „Du trägst ja noch nicht einmal Schuhe, soll er denken, du seist eine Wilde!?“

Leylin versuchte ihr den einfachen Leinenstoff zu entziehen. „Wer denn, Mutter? Wer ist so wichtig, dass du so ein Aufsehen machst? Du magst Besuch doch überhaupt nicht!“

„Sind das Grasflecken in dem Kleid?“, wandte ihre Mutter plötzlich mit drohend zitternder Stimme. „Oh, Leylin, warum bestrafst du mich so? Ab dem heutigen Tag könnte alles so viel besser werden, doch du machst es schon von vornherein zunichte!“

Endlich schaffte Leylin es, ihr den Saum zu entreißen. Mondauge machte sich dabei eilig davon und flatterte ins Innere des Pavillons. Sie wünschte sich, sie könnte es ihm nachtun … Stattdessen drückte sie ihr Buch wie zum Schutz an sich und wandte sich an ihre Mutter.

„Wer ist gekommen, wie lautet sein Name? Und warum ist es so wichtig, dass ich über seine Witze lache!?“

Nun begann ihre Mutter wieder zu lächeln: „Er ist der Neffe des hohen Fürsten Shahondin!“ Bei diesen Worten reckte sich ihr Kinn, als wäre sie stolz darauf, dass der Zufall diesen Elfen ausgerechnet an ihr Haus gebracht hatte. „Er und sein Gefolge suchen hier Quartier für die Nacht. Ach, du musst ihn dir ansehen, Leylin! Es gibt keinen Ausdruck, der beschreiben könnte, wie herrlich er aussieht. Seine Augen sind wie dunkle Brunnen, in die man hineinfällt, wenn man zu lange hinein starrt, so kam es mir vor. Sein Haar ist wie ein Wasserfall aus flüssigem Gold. Und sein Gesicht! Ich will dir doch nichts Schlechtes, Kind! Stell dir nur einmal vor, male dir aus, wie es wäre, wenn er Gefallen an dir findet und uns zu einem der Feste seines Onkels einlüde …“

Ihre Mutter wagte kaum noch, die Worte über ihre Lippen zu bringen, als fürchtete sie, die mit ihnen verbundenen Wünsche könnten allein daran zerbrechen.

Doch Leylin wurde ganz bang. Der Neffe des Fürsten erwartete sie im Haus? Was ihre Mutter ihm wohl über sie erzählt, welche Lügen sie von ihr versprochen hatte …

„Nun mach nicht so ein Gesicht! Lächle! Er ist so charmant …“ Sie redete weiter daher, während sie sich wieder an ihre Haare machte. Nach kurzer Zeit fielen ihr die dunklen Strähnen über die Schulter, während sich ein Kloß so groß wie eine Faust in ihrem Hals bildete. Vor wenigen Minuten war doch noch alles in alter Gewohnheit verlaufen, sie hatte Gedichte gelesen und mit Mondauge gelacht.

Ach, sie würde kein Wort vor diesem Elfen über die Lippen bekommen!

Plötzlich wallte über die Welt ein Grollen so tief wie aus der Kehle eines uralten Drachen. Von dem lauten Donnern aufgeschreckt, blickte Leylin zur Fassade des Hauses und bemerkte dort eine hochgewachsene Gestalt.

Unvermittelt hielt sie den Atem an, ihr ganzer Körper schien zu Eis erstarrt zu schein.

Als die Gestalt mit einem Blitzen in den Augen – war dies nur ein Aufleuchten in seinem Gesicht oder tatsächlich ein Blitz am Himmel, der sich in seinen dunklen Tiefen widerspiegelte? – geradewegs auf sie zuschritt, blieb ihr Herz für einige quälende Augenblicke zaghaft in ihrer Brust stehen, ehe es kurz darauf wild wie ein junger Vogel zu flattern begann.

Wie sein Gesicht zum ersten Mal sah, musste sie eilig nach Luft schnappen. Auf diesen Moment hatten sie die Worte von selbst den talentiertesten Dichtern nicht vorbereiten können. Alle Beschreibungen von solch mitreißsenden Erlebnissen, von denen sie in Büchern gelesen oder von Bekannten gehört hatte, näherten sich nicht an diesen Tumult an, der in ihrem Inneren vor sich ging.

Der Elf bewegte sich mit einer selbstsicheren Eleganz, so als hätte er diese Garten schon hunderte Male durchwandert. Der Regen schien ihm gleichgültig, stattdessen bedachte er sie mit einem so warmen und einnehmenden Lächeln, dass sie ihm für das Aufhebens ihrer Mutter vergeben musste. Und es war eines der wenigen Male, in denen sie mit ihrer Mutter übereinstimmte.

Dieser Elf war mit keinen Worten zu beschreiben.

Als er direkt vor ihr zu stehen kam, legte er den Kopf schief und bedachte sie mit seinen obsidiandunklen Augen. „Eine Tochter von atemberaubendem Liebreiz‘, wie die gnädige Herrin dieses Hauses mir berichtete. Du kannst nur Leylin sein.“

Die dunkelhaarige Elfe wollte etwas erwidern, ihm zustimmen, für das Kompliment danken. Doch selbst wenn sie gewusst hätte, was genau sie sagen wollte, hätte sie wohl kein Wort über die Lippen bekommen, denn ihr Mund war plötzlich trocken wie Asche. So blieb ihr lediglich zu nicken und dabei aus dem Augenwinkel den abschätzenden Blick ihrer Mutter aufzufangen.

Ihr Gegenüber schien sich nicht an der ausbleibenden Antwort zu stören.

„Mein Name ist Shandral und es ist mir eine Freude, deine Bekanntschaft zu machen.“ Er nahm ihre Hand in seine und beugte sich herunter, um sie zu küssen. Anschließend blickte er unter dunklen Wimpern zu ihr herauf und lächelte dabei spitzbübisch, was dieser altmodischen Geste eine gewisse frische Eleganz verlieh.

Doch so schnell dieser Augenblick gekommen war, so rasch brach Shandral den Kontakt und richtete sich wieder auf.

Nun wusste Leylin absolut nicht mehr, was sie sagen oder tun sollte. Doch ihre Mutter schien das nur zu ahnen und schritt für sie ein: „Es ist und eine solche Ehre, dich in unserem bescheidenen Haus willkommen heißen zu dürfen“, heuchelte sie. „Ich werde mich nun darum kümmern, dass genug Essen und Betten für die Nacht bereit sind. Ihr beiden entschuldigt mich.“

„Natürlich!“, erwiderte Shandral, doch Leylin hätte schreien mögen. Wie konnte ihre Mutter sie in einer solchen Situation allein lassen?

Wieder war es Shandral, der die den Faden in ihrem Gespräch ergriff. Während der Neffe des Fürsten seinen Blick durch die Umgebung schweifen ließ, bemerkte er anerkennend: „Ein äußerst idyllischer Garten. Ich kann mir gut vorstellen, dass man hier leicht ganz Albenmark mit seinen kleinen und großen Sorgen vergessen kann.“

Leylin war erleichtert, dass er ein Thema anschnitt, auf welches sie leicht eingehen konnte. Sie lächelte aufrichtig in ihrer Überraschung darüber, dass er einen Sinn für die Natur zu haben schien. Dieser Gedanke löste etwas die Beklemmung, die sie empfand.

„Das ist wahr“, entgegnete sie leichthin, „wenn es dir beliebt, können wir uns in den Pavillon setzen bis das Abendessen gerichtet ist.“ In der Hoffnung, es würde nicht lächerlich auf ihn wirken, fügte sie hinzu: „Ich liebe es, dem Fallen des Regens auf das Blätterdach des Waldes zu lauschen.“

Ein Lächeln schlich sich auf das schöne Gesicht des blonden Elfen: „Sehr gerne.“

Leylin führte ihn in den offenen runden Raum, dessen gesamter Durchmesser von einer steinernen Sitzbank umrundet wurde. An den filigran gearbeiteten Holzfassaden des Pavillons schlängelten sich Blumenranken in den wildesten und intensivsten Farben herauf.

Deutlich war das Plätschern des Regens zu vernehmen, ebenso das Rascheln des Windes in den Geästen der Sträucher.

Doch Leylin schenkte all ihre Beachtung dem Mann, der soeben neben ihr auf der Bank platznahm. Die Elfe hatte in ihrem Leben noch kein Albenkind getroffen, das es mit der Schönheit und Perfektion Shandrals aufnehmen konnte. Fast überkam sie die Idee, es könnte sich bei ihm um einen Alben handeln, doch dazu war sein Wesen zu irdisch, zu greifbar – und genau dies zu tun, sehnten sich Leylins Finger. Sie wollte über sein Gesicht fahren, die weiche Haut spüren – so sehr, dass ihre Fingerspitzen zu kribbeln anfingen.

Shandral hatte ein fein geschnittenes Gesicht, das herzförmig geformt und von blasser Haut war und einen zwar ausdrucksstarken aber nicht strengen Eindruck vermittelte. Seine Augen verrieten nichts von seinen Gedanken oder Emotionen, doch auf seinen sanft geschwungenen Lippen lag ein warmes Lächeln.

Sie ertappte sich selbst dabei, dass sie ihn anstarrte. Davon ließ sich der Elf allerdings nichts anmerken.

„Empfängt deine Familie oft Reisende, Leylin?“ Die Art, wie er ihren Namen aussprach, sandte eine Wärme durch ihren Körper, an Stellen, die sie zuvor noch nie zuvor auf diese Weise wahrgenommen hatte. „Deine Mutter hat uns äußerst bereitwillig in euer Haus eingeladen, das ist nicht selbstverständlich.“

Leylin wusste, dass diese Annahme nicht ganz unbegründet war. Zwar lag ihr Haus etwas abseits vielbefahrener Reisestraßen, doch nicht weit von einem kleineren Albenstern, der von solchen, die seine Pfade für sich zu öffnen vermochten, oft genutzt wurde. Tatsächlich kam es also nicht selten vor, dass Reisende bei ihnen um Bett und Verpflegung fragten. Doch bei ihrer Mutter hatten sie dabei selbst gegen großzügige Bezahlung kein Glück. Shandral bildete bei dem Wahn ihrer Mutter nach gesellschaftlicher Aufmerksamkeit natürlich eine Ausnahme.

„Hin und wieder kommen Pfadwanderer zu uns“, wich sie der Wahrheit aus, um das Gesicht ihrer Mutter zu wahren.

Nur nebenbei bemerkte sie, dass ihre Augen wieder ganz von selbst begonnen hatten, Shandral zu mustern. Dabei fiel ihr auf, dass der Elf keine Reitkleidung trug. Vermutlich war er also in einer Kutsche gereist. Leylin selbst liebte es, auf den weiten Ebenen und in den Tälern der Mondberge Ausritte zu unternehmen, auch wenn sie dabei meist allein war, wenn ihr Vater sie nicht begleitete.

Shandral trug aber keinesfalls bequeme Kleidung. Sein Hemd war in einem dunklen Blau gefärbt, die Verschlüsse waren aufwendig gestaltet und schimmerten golden im letzten Licht des vergehenden Tages. Seine engen dunklen Hosen verschwanden in schwarzen, ledernen Schaftstiefeln. Alles war perfekt angepasst und betonte seine schlanke Figur – Leylin verblasste neben ihm in ihrem schlichten Leinenkleid.

„Nur hin und wieder?“, ergriff Shandral erneut den Gesprächsfaden. „Nun, dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass es bei den vielen Verehrern, die du sicherlich haben musst, nie sonderlich ruhig hier ist.“

Leylin bekam große Augen und auch das Herzklopfen kehrte stürmisch zurück. Was sollte sie auf solch eine Vermutung entgegnen ohne ärmlich oder arrogant zu wirken? Als sie wieder ihre Sprache fand, erwiderte sie leicht verlegen: „Nun, ganz so ist es nicht … wir leben hier fernab von anderen größeren Elfensiedlungen.“

„Keine Verehrer?“, hakte er ungläubig nach.

„Nein, ich stehe allein …“

Shandral machte ein verblüfftes Gesicht, dann legte er den Kopf schief: „Dann kann es nur so sein, dass du noch auf den Richtigen wartest? Einen anderen Grund möchte ich mir bei solch einer Schönheit nicht vorstellen. Du hast dich der Liebe doch nicht abgewandt!?“

Leylin war überrascht von seiner Offenheit, seine unbeklemmte Art, über solche Dinge zu sprechen imponierte ihr – ebenso wie es sie verunsicherte. Andererseits war sie sich durchaus bewusst, dass der Umgang bei Hofe bisweilen noch viel offenherziger sein konnte … sie musste ihm vorkommen wie eine dusselige Kuh.

Also gab sie sich einen Ruck und antwortete: „Nein, ich... ich glaube an die wahre Liebe … dass zwei Seelen zusammengehören, selbst über den Tod hinaus.“

Sie wusste nicht, was er von ihrer Antwort halten würde. Unter Elfen war der Gedanke an eine wahre, bedingungslose Liebe, die bis ins Mondlicht überdauerte, nicht weit verbreitet. Vermutlich hatte sie sich jetzt als das naive träumerische Mädchen vom Land entpuppt, das sie wirklich war. Dass er nicht über ihre Worte lachte, war gewiss nur seiner Erziehung zu verdanken.

Seine Mimik war unlesbar, seine Augen wirkten verschlossen und gaben nichts preis, was Leylin als ein Urteil über sie deuten könnte.

„Was denkst du?“ Die Worte waren ihr über die Lippen geglitten, ehe sie den Gedanken richtig gefasst hatte.

Als sie sah, wie unvermittelt ein finsterer Schatten über seine Züge huschte, der nichts mit der zunehmenden Dunkelheit im Garten zu tun hatte, bereute sie ihre Frage augenblicklich. In seinen Augen waren für einen Augenblick wahre Abgründe zu sehen. Es war nicht der Schmerz einer verlorenen Liebe, die Leylin wachgerufen hatte, viel eher eine Kälte und Apartheit, die von seiner Seele auszugehen schien. So als wäre er tiefer Hoffnungslosigkeit ergeben.

„Es tut mir leid …“, flüsterte sie und hätte sich im nächsten Moment ohrfeigen können. Jetzt hatte alles mindestens dreimal so schlimm gemacht.

„Was tut dir leid?“, fragte Shandral als wäre nichts gewesen. „Die Frage zu stellen oder die Antwort zu erahnen?“ Er lächelte. „Keines von beidem sollte es, Leylin, mach dir keine Gedanken.“

Schlau wurde sie aus dem Neffen des Fürsten nicht, musste die Dunkelhaarige feststellen – nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Etwas verkrampft versuchte sie sich zu sammeln. Am besten sie wechselte schnell das Thema, um nicht länger in dieser unangenehmen Situation verweilen zu müssen.

Shandral hatte sich mittlerweile halb von ihr abgewandt und sah hinaus in den von einem Regenvorhang verwischten Garten.

„Du magst den Regen.“

Aus den Augenwinkeln blickte er sie an und fing abrupt an zu lächeln: „Was hat mich verraten?“

Fast wallte in ihr Stolz auf, sich von dem dünnen Eis manövriert zu haben, auf welches sie ihr Gespräch geführt hatte.

„Als du vor das Haus getreten bist, hast du nicht gezögert durch den Regen zu gehen. Außerdem hast du es vorgezogen, hier draußen dem Regen zu lauschen, statt dich im Haus am Kaminfeuer zu wärmen … und selbst jetzt blickst du noch sehnsuchtsvoll hinaus.“

Leylin konnte nicht sagen, woher der plötzliche Mut ihrer Zunge gekommen war. Sie wusste nur, dass sie sein Wohlgefallen erregen wollte …

„Du bist entweder eine gute Beobachterin oder ich lasse mich in deiner Nähe zu sehr gehen.“

Daraufhin verfiel er wieder in Schweigen, starrte in den Regenhimmel und runzelte die Stirn. Leylin bedachte genau sein Profil und fragte sich, was genau ihn dazu verleitet hatte.

„Am Hofe deines Onkels kannst du das bestimmt nicht oft, oder? Bist du auf dem Weg zurück dorthin? Es muss aufregend sein, in einem Palast zu leben … aber auch anstrengend.“

Er sah ihr in die Augen und schüttelte den Kopf: „Ich lebe nicht im Palast meines Onkels. Meine Mutter und Brüder leben zusammen mit mir im Sommerhaus Shahondins in der Bucht von Reilimee, seit mein Vater gestorben ist.“ Wieder wandte er den Blick in den lebendigen Schleier der Regentropfen. „Dorthin reise ich zurück, nachdem ich die letzten Wochen bei meinem Vetter Vahelmin und seiner Tochter Lyndwyn in seinem Stadthaus gewohnt habe.“

Erneut musterte Leylin Shandrals Profil und fand den Schatten in seinen Zügen wieder. Sie konnte nicht genau sagen, warum, doch etwas an seinem Ausdruck ließ sie innerlich erbeben und ein Schauder jagte über ihren Rücken. Doch so schnell dieser Ausdruck gekommen war, so schnell war er wieder verschwunden. Leylin fragte sich, ob sie sich nicht getäuscht haben musste.

„Meine Mutter ist ganz angetan von der Vorstellung, eines Tages ebenfalls ein angesehenes Mitglied des schillernden Adels Albenmarks zu sein. Sie würde alles dafür geben, auf den Festen der Fürsten zu tanzen oder an ihren Banketten teilzunehmen. O, und vermutlich könnte sie dort auch gut mitreden, denn sie kennt alle bedeutsamen Namen und die Geschichten, die man sich über sie erzählt, ob nun wahr oder falsch. Und natürlich kennt sie auch all die Geächteten, über die man sich das Maul zerreißt. Sie weiß alle Stammbäume auswendig, kennt allen Klatsch, selbst die aberwitzigsten Gerüchte …“ Leylin schnaubte: „Vermutlich erhofft sie sich mit deinem Hilfeersuch eine große Chance, ihrem Traum ein Stück näher zu kommen. Ich sollte dich warnen: wahrscheinlich rechnet sie fest damit, dass du ihr als Dank eine Einladung zu einem Ball im Palast deines Onkels zukommen lässt; und sie wird nicht eher mit den Schmeicheleien und Höflichkeiten locker lassen, bis sie das Gefühl hat, deinen Wohlgefallen erhascht zu haben.“

Leylin wusste nicht, wie ihr geschah. Normalerweise war sie nie besonders redegewandt oder schwatzhaft, warum ihr also nun die Worte über die Lippen kamen, ohne dass sie lange darüber nachdenken musste, war ihr selbst nicht geheuer. Shandral gab ihr das Gefühl, dass sie ihm alles erzählen konnte und er sie verstand und sich für ihre Worte interessierte. Natürlich war ihr klar, dass er Elfen wie ihre Mutter gewohnt sein musste, die sich Anerkennung durch Gefälligkeiten erhofften und nur deshalb freundlich zu ihm waren. Sie kam sich naiv wie ein Kind vor, ihn davor warnen zu müssen. Bestimmt dachte er nun, dass sie ihn für ebenso naiv und gutgläubig hielt. Und wie sie deswegen von ihrer Mutter gesprochen hatte! Das war nicht ihre Art …

Leylin spürte wie ihr vor Scham das Blut in die Wangen schoss und wandte hastig den Blick ab. Was war nur los mit ihr?

„Du bist ganz anders als sie, habe ich recht?“, hörte sie ihn flüstern und spürte eine sanfte Berührung an ihrer Wange.

Ihr Herz begann zu rasen, als sie realisierte, dass Shandral mit seinen Fingerrücken über ihre Haut strich. Vorsichtig, denn sie wollte unbedingt verhindern, dass der Kontakt brach, wandte sie sich wieder ihm zu.

Shandral hielt ihren Blick gefangen und sie bemerkte nur am Rande, wie ihre Handflächen schwitzig wurden und zu zittern begannen.

„Du bist bei diesem unerträglichen Wetter im Freien, sitzt im Gras, das dein Kleid ruiniert und liest die verworrenen Gedichte der Selkies …“ Er blickte mit ausdrucksloser Miene auf das Buch, welches neben ihr auf der steinernen Bank lag, dann wieder direkt ihn ihre Augen und sie hatte das Gefühl, als würde sie von seinem Blick verzehrt.

Leylin war zu überrumpelt, um einen klaren Gedanken fassen zu können. Sie gab sich keine Mühe, eine passende Antwort zu finden, war sie sich doch sicher, dass ihr ohnehin kein einziges Wort verständlich über die Lippen kommen würde.

Es war ihr fast unheimlich, wie er scheinbar durch ihre Augen direkt auf ihre blanke Seele herabsah. Für einen kurzen Augenblick glaubte sie etwas Abschätziges, Verachtendes in den schwarzen Tiefen seiner Augen zu finden. Innerlich schreckte sie vor dieser plötzlichen Kälte zurück, doch ihr Körper bewegte sich kein Stück, zu gebannt war sie von seinem Anblick. Wie im Netz einer Spinne gefangen fühlte sie sich – machtlos und dennoch fasziniert von der schieren Schönheit ihrer Falle.

Als hätte er ihre Gedanken gelesen, zeigte Shandral plötzlich das atemberaubende Lächeln, welches ihr Innerstes schon früher am Abend warm werden ließ. Auch jetzt verfehlte es seine Wirkung nicht – ein warmes Prickeln schlich sich von ihrem pochenden Herzen hinunter zu ihrem Unterleib und sie konnte nicht widerstehen, zurückzulächeln.

„Wenn du so freundlich wärest meiner Mutter nicht zu sagen, dass du die Grasflecken bemerkt hast …?“

Er hob eine Augenbraue, und stieß ein Lachen aus: „Es bleibt unser Geheimnis, versprochen.“

Leylin bemerkte, wie die Hand an ihrer Wange nach hinten zu ihrem Nacken wanderte. Ein Schauder fuhr durch ihren gesamten Körper, als Shandral sie leicht zu sich zog und sein warmer Atem über ihre Haut tanzte.

Gebannt hielt sie die Luft an und schloss – obgleich sie begehrte, nichts von diesem Moment zu verpassen – die Augen. Ihre übrigen Sinne nahmen nun geschärft das Prasseln des Regens, die Wärme von Shandral und das Pochen ihres Herzens wahr.

Sehnsuchtsvoll fuhr sie mit den Handflächen über seine Arme, hinab auf seine Brust; scheu schob sie sich näher an ihn heran, bis sie sicher war, dass ihrer beider Lippen nur noch ein Hauchbreit voneinander entfernt waren …

„LEYLIN!“, schallte es hart und so plötzlich durch den Garten, dass die Elfe erschrocken zusammenzuckte und ihre Augen aufriss, um nach der Person, die ihren Namen gerufen hatte, zu suchen.

„Mutter …“



~*~



In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, in einem anderen Leben spielten das Schattenspiel unter dürren Ästen und das zermürbende Knistern in der schweren Luft Leylin Streiche. Lang verlorene Worte flüsterten zu ihr, vergifteten ihren Verstand ... ihre trügerische Wahrnehmung ließ sie glauben, sie wäre wieder dort.

Dort, wo alles begonnen hatte.

Die verlassene Lichtung inmitten der wilden Wälder unterhalb der Slangagebirge war nicht länger ein von dünnen Eiskrusten überzogenes Moos und Farndickicht - das blasse Abbild des regenverhangenen Gartens ihrer Jugend legte sich über den morastigen Waldboden. Wieder und wieder hörte sie die Gesprächsfetzen von damals. Sie glaubte sogar, seine Augen zu sehen. Diese dunklen Abgründe, die sie herabzuziehen versuchten.

Leylins Herz raste, ihr Atem ging schwer. Sie verstand nicht, was passierte. Eben noch war sie von der verlassenen Wolfshöhle losgelaufen, um die letzten Winterbeeren in der Umgebung zu suchen. Dann hatte sie sich auf der Lichtung wiedergefunden, die gar nicht weit von dem verwaisten Tierbau entfernt war - dennoch war sie nie hier gewesen und Melvyn hatte ihr nicht gesagt, dass sie in dieser Richtung nach Nahrung zu suchen brauchte. Warum also war sie hierhergelangt?

Über die Arme der Elfen kroch eine Gänsehaut - etwas unglaublich Kaltes, Leeres schien von ihr Besitz zu ergreifen. Dieses Gefühl war ihr so vertraut ... und versetzte sie in Alarmbereitschaft. Diese innere Leere hatte sie immer dann in sich wach gerufen, wenn er bei ihr war. Sie war ein willkommener Schutzmantel gegen all den Schmerz gewesen, den sie durchlebt hatte. Und doch versuchte sie nun, dieses Gefühl um alles in der Welt zu bekämpfen. Sie hatte sich geschworen, nie wieder zuzulassen, dass sie in eine solche Situation gefangen genommen wurde. Nicht zuletzt wegen Melvyn ...

Melvyn!

Er war nicht hier. Für die nächsten Wochen war sie auf sich allein gestellt, während ihr Geliebter im Herzland an der Seite der Elfen um die Krone Albenmarks focht. Leylin hatte ihn darin bekräftigt, ihrem Volk beizustehen, auch wenn dies hieß, dass sie allein in den Wäldern des Slangagebirges zurecht kommen müsste. Bisher war sie gut durchgekommen, sie war eine begabte Magierin, konnte für sich selbst sorgen ...

Doch nun wünschte sie sich nichts sehnlicher als ihn an ihre Seite.

Plötzlich begriff sie, dass die Kälte nicht von ihr ausging, sondern von außen nach ihr griff ...

Panisch riss sie die Augen auf, als sie deutlich eine Aura in ihrer Nähe ausmachen konnte. Ihr Atem wurde weiß vor ihren Lippen und ihr Blut gefror.

Wie tausend harsche Peitschenhiebe kam die Erkenntnis über sie.

„Shandral", hauchte sie, ihre Stimme zitternd vor Entsetzen.

Er hatte sie gefunden.

Bebend brach sie in die Knie.

Nein.

Nur blasse Schemen tanzten über die Lichtung, auf der es so kalt war, dass ihre Augen schmerzten. Dennoch konnte sie diese nicht schließen. Erinnerungen überschwemmten ihre Wahrnehmung, wie ein Schleier legten sie sich über die Realität.

Über allem war sein Gesicht, makellos und albengleich und für sie so voll Grauen erfüllt. Er sah ihr direkt in die Seele, als würde er diese mit seinem Blick ausbrennen wollen.

Doch dieses eine Mal, seit dem Tag ihrer ersten Begegnung, lag keine Grausamkeit in ihnen. Lediglich ein stummes Wissen, ein Geheimnis, das sie weder bedrohte noch verletzen würde.

Leylin schluchzte laut auf, Tränen rannen über ihre Wangen.

Noch immer kniete sie ihm Dickicht der Farne und sah vor sich das Gesicht des Mannes, der sie fast ihrer Selbst beraubt hätte.

Als ihre Hand schutzvoll zu ihrem Unterleib wanderte, überkam sie eine warme Welle von Zuneigung und Stärke. Der Wille, durchzuhalten und ihr kleines ganz großes Glück zu beschützen, von dem sie erst vor wenigen Tagen selbst erfahren hatte.

Sie lächelte, lachte und weinte zugleich, als ihr klar wurde, was diese Erscheinungen zu bedeuten hatten.

Als wäre ihr Lebend bisher ein einziger langer kindhafter Albtraum gewesen, lächelte sie dem blassen Schemen vor ihr ins Gesicht in dem Wissen, dass sie das Monster in diesem Traum nicht mehr zu fürchten brauchte. Denn sie hatte ihre Angst überwunden, auch wenn dieses Gesicht, diese Erinnerungen und Gefühle sie ein Leben lang begleiten würden, konnte sie ihnen nun nichts mehr Schlechtes abgewinnen.

Vorsichtig strich sie mit dem Daumen über ihren Bauch, als das Gesicht sie zurückanlächelte. Die dunklen Augen funkelten, das Lächeln war so vertraut. Es war das Gesicht ihres verstorbenen Gemahls, auch wenn dieses nicht seinen Schmerz und seine Dunkelheit in sich trug und von dunklem Haar eingerahmt wurde.

All ihr Groll gegen das Schicksal und die Ungerechtigkeit, die ihr widerfahren war, verrauchte, als ihr klar wurde, dass ihr Leben über diesen Weg genau hierher geführt wurde.

"Conlyn", flüsterte sie, nannte das Gesicht vor ihr beim Namen. "Dämmerung."


___________________________________

Natürlich gehört jegliches Recht an den genannten Figuren Bernhard Hennen, ich hab nur meine Fantasie spielen lassen :)
Über Rückmeldungen freue ich mich sehr!
Profil meines Fanfiktion-Accounts: http://www.fanfiktion.de/u/Riniell

Benutzeravatar
Seara
Fechtmeister
Fechtmeister
Beiträge: 426
Registriert: Mo 4. Jul 2011, 17:38
Wohnort: Oberösterreich

Re: Nachtlied (Leylin/Shandral, Leylin/Melvyn)

Beitrag von Seara » So 14. Okt 2012, 23:32

Wow! Ich bin begeistert! Leylin war immer eine meiner Lieblingsfiguren wie auch Melvyn. Aber Shandral... du hast alle Gefühle so schön beschrieben! Ich wünschte, ich könnte das auch. Gefällt mir wirklich sehr gut!
Wer stets nur sagt,
was man so sagt,
der hat meist
nichts zu sagen.

Mondblüte

Steff
Hüter der Geheimnisse
Hüter der Geheimnisse
Beiträge: 72
Registriert: Do 16. Jul 2009, 14:05

Re: Nachtlied (Leylin/Shandral, Leylin/Melvyn)

Beitrag von Steff » Fr 26. Okt 2012, 09:35

Danke für dein liebes Feedback :)
Melvyn gehört auch zu neinen Lieblingsfiguren, daher hoffe ich dass es noch ein Buch geben wird in dem wir mehr über sein Schicksal erfahren.
LG
Profil meines Fanfiktion-Accounts: http://www.fanfiktion.de/u/Riniell

Antworten