Anders (Alfadas, Silwyna)

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Steff
Hüter der Geheimnisse
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Anders (Alfadas, Silwyna)

Beitrag von Steff » So 17. Mär 2013, 23:50

Diese Kurzgeschichte handelt von dem Anfang der Liebesgeschichte zwischen Alfadas und Silwyna. Wünsche euch allen viel Spaß beim Lesen!


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Die Nacht war über die Gärten Elfenlichts gekommen. Das Lied der Vögel war leiser geworden, nur vereinzelt war in den Schatten noch leises Zirpen zu vernehmen. Fasane und Pfaue kreuzten eilig seinen Weg auf ihrer Suche nach einem Nachtlager.
Alfadas wanderte einsam auf den Kiespfaden unter dem großen Blattwerk der Ulmen in den Palastgärten. Einzig das Licht der Himmelskörper erleuchtete den Pfad in diesen späten Stunden noch, wohin ihr silbernes Licht nicht reichte, lag die Welt im Schatten. Der Menschensohn ging ungeachtet dessen mit festem Schritt. In all den Jahren, die er am Hofe der Elfenkönigin lebte, hatte er diesen Weg schon hundertfach eingeschlagen und glaubte, jeden Stein zu kennen. Alfadas genoss den Frieden der nächtlichen Wälder, weit mehr als all die Bankette, Festlichkeiten oder sogar die Jagdausflüge der Königin, zu denen er eingeladen wurde. Bei diesen gesellschaftlichen Ereignissen, die es zu Hauf zu allen vorstellbaren Anlässen bei Hofe gab, war er ohnehin stets nur eine Randfigur. Der Mensch.
Es war so still hier draußen. Stille und Schweigen hatten in seinem Leben mehr Bedeutung als Sprechen. Auch wenn die Königin persönlich sich immer dafür einsetzte, dass er in den Hofstaat eingebunden wurde und von so viel wie möglich von dort lernte. Lernte, dazuzugehören. Wollte er das? Dazugehören? Seine Heimat, seine Herkunft lag nicht in Albenmark, sondern in der Anderswelt.
Ein sanftes Flüstern holte ihn zurück ins hier und jetzt. Ein einziges Wort, dass er nicht hatte verstehen können. Doch diese dunkle Stimme ...
Alfadas verließ den Kiesweg und ging in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Nach wenigen Herzschlägen fand er sich am Rand einer winzigen Lichtung wieder, an deren anderem Ende eine zierliche Gestalt am Stamm einer Eiche stand. Die im Sternlicht blasse Hand einer Elfe lag auf der groben Rinde des Baumes.
Der Menschensohn erkannte die Elfe, die sich in diesem Moment zu ihm umwandte, sofort. Es war die Maurawani, die seit einiger Zeit sein Schicksal als Außenseiterin in Elfenlicht teilte. Silwyna.
Als er sich von ihr dabei ertappt fühlte, sie beobachtet zu haben, entschied er, dass es nun zu spät war, einfach so zu tun, als hätte er sie nicht bemerkt. Also ging er einige Schritte in ihre Richtung, bis er vor ihr stand. Vielleicht konnte er ein Gespräch mit ihr beginnen?
Der Blick ihrer Wolfsaugen lag erst angespannt, dann skeptisch auf ihm. "Du schon wieder?"
Alfadas schaute verwirrt drein, als sie die Arme vor ihrer Brust verschränkte und ihn abschätzig anblickte. Wie stets war die Elfe in ihre enge Jagdhose aus Leder und die weite, dunkle Tunika gekleidet. Ihr dunkles Haar war zu einem langen Zopf geflochten, was die markanten Züge ihres Gesichts unterstrich.
"Seit Tagen verfolgst du mich schon ... was willst du von mir!?"
Alfadas hob eine Augenbraue und stieß ein kurzes abfälliges Lachen aus: "Ich soll dich verfolgen?" Er schüttelte den Kopf. "Warum sollte ich jemanden wie dich verfolgen?"
Die Wahrheit war, dass er sie vielleicht nicht wirklich verfolgt hatte. Doch sein Blick, seine Aufmerksamkeit und seine Bewunderung wanderten schon seit Wochen nur zu ihr. Es war merkwürdig und fremd für Alfadas, doch fühlte er sich von der Andersartigkeit der Maurawani angezogen. Vielleicht war das auch nur eine Art Gefühl der Verbundenheit, weil sie ebenso wenig wie er von den Elfen des Hofstaates angenommen wurde wie er?
Etwas Wildes und Katzenhaftes haftete ihrem Gang an, als sie die letzte Distanz zwischen ihnen überwandt und direkt vor ihm stehen blieb. Wie alle Elfen war sie kleiner als er.
"Sieh dich an", sagte sie und deutete dabei auf seine Gestalt, wie er mit Händen in den Hüften vor ihr stand. "Du siehst schon fast schon aus wie einer dieser albernen Gockel, oder eher noch wie eine schlechte Posse über sie ..."
Perplex nahm er die Hände von seinen Hüften und klappte eilig seinen Mund zu, der wie er bemerkte etwas zu weit offen stand. Darum bemüht, wenigstens etwas von Fassung und Würde zu bewahren, suchte er nach einer halbwegs passenden Antwort und verschränkte dabei die Arme.
"Wenigstens stehe ich nicht nachts allein im Wald und unterhalte mich mit Bäumen!"
Alfadas hätte sich selbst für diese selten dämlichen Worte ohrfeigen können. Doch dann machte sein Herz einen unfreiwilligen Sprung, als er zum ersten Mal das Lachen von Silwyna hörte. Eine leise Stimme sagte ihm, dass dieses Lachen die Demütigung wert gewesen war ...
"Das hast du gehört? ", sagte sie grinsend mit dem Schalk in den Augen. "Ich habe nicht mit dem Baum geredet. Ich sagte 'endlich'. Ich glaubte schon, du würdest niemals kommen heute Abend."
Das ließ Alfadas wieder perplex zurück. Hatte sie sich nicht gerade eben darüber geärgert, dass er sie angeblich verfolgte? Wusste sie etwa, dass er jeden Abend diesen Weg ging? Und warum hatte sie auf ihn gewartet?
Seine Fragen lösten sich in Rauch auf, als ihre warme, von Schwertschwielen gezeichnete Hand die seine ergriff und ihn verführerisch lächelnd mit sich zog. In dieser Nacht erkannte er zum ersten Mal, dass es ohnehin nichts bringen würde, sich mit Fragen über Silwyna den Kopf zu zerbrechen. Auf diese Elfe gab es keine Antwort.
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Magathi
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Re: Anders (Alfadas, Silwyna)

Beitrag von Magathi » Mo 19. Mai 2014, 11:46

Eine wirklich sehr süße Geschichte die auch gut zu den bisher bekannten Fakten der beiden passt.
Dein Schreibstil gefällt mir auch sehr gut :) Les mir grade die ganzen Kurzgeschichten durch und bin wirlich begeistert *g*

Bisher war auch keine dabei bei der ich nicht gerne mehr Erfahren würde ^^

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