Die Metropolen der Menschenwelt

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Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Mithras » Do 26. Mär 2009, 19:03

Da die Menschenvölker ja unseren Kulturen nachempfunden sind, kann man auch Parallelen zwischen den Städten ziehen. Firnstayn lässt sich ja sofort zuordnen, mit Aniscans ieht es dagegen etwas schwieriger auf. Wenn es dafür eine reale Entsprechung geben soll, dann würde ich auf Avignon tippen, das Exil der Päpste. Die "innere Stadt" erweckt zwar den Eindruck, dass der Vatikan bzw. Rom gemeint sein könnte, doch das sind die einzigen Parallelen. Aniscans ist erst nach Guillaumes Tod mächtig geworden, während Rom zu Zeiten der Christianisierung bereits eine lange Geschichte hinter sich hatte und keine Ähnlichkeit mit Aniscans aufweist. Zudem liegt das Zentralheiligtum des Tjuredglaubens in Fargon, und Fargon ist eindeutig französisch geprägt.

Manchmal ärgere ich mich allerdings über meine Begriffsstutzigkeit - was Iskendria anging, waren wir die ganze Zeit über auf dem Holzweg. Sicherlich lässt sich nicht leugnen, dass der Name der Stadt auf Alexandria zurückzuführen ist, doch damit hören doie Gemeinsamkeiten schon auf. Ich habe mich oft über das religiöse Leben in Iskendria gewundert. In Ägypten herrschte keine derart ausgeprägte Opferpraxis, zumal Alexandria genau genommen eine griechische Stadt war. Grieschiche Kultur und Menschenopfer - das passt nicht zusammen. Und ich bin mal so frei und behaupte, auch die ägyptische Kultur relativ gut einschätzen zu können, weil Ägyptologie seit Kindertagen zu meinen Hobbys zählt. Kleidung und Kunst der Einwohner Iskendrias weisen keine Parallelen zu Ägypten oder Griechenland auf. Zudem ist Alexandria noch jung, Iskendria dagegen deutlich älter.
Auch die Darstellung Balbars als keilbärtige Götterstatue deutet auf vorderasiatische Wurzeln hin, nicht aber auf ägyptische. Es passt einfach zu viel nicht zusammen, weshalb ich mich nie ganz mit der Alexandria-Theorie anfreunden konnte.


Iskendria ist eine phoenzische Stadt, vornehmlich Karthago, eine Kolonie im heutigen Tunesien, die zu Eigenständigkeit und zu großer Macht gelangt ist. Der berühmteste Karthager ist Hannbal, der "Albtraum Roms". Alles passt:

- In Karthago existierte eine streng organisierte Priesterkaste. Welche Macht sie innenhatte, weiß ich nicht genau, doch da das Gesellschaftssytem Menschenopfer forderte, ist davon auszugehen, dass die Priester mächtig waren. Natürlich waren sie rasiert und vermutlich auch geschminkt.

- Die wichtigste Gottheit der Karthager war der vorderasiatische Fruchtbarkeits- und Wettergott Baal.

- Zur religiösen Praxis der Karthager zählten Kinderopfer. Ich habe schon Verschiedenes dazu gelesen - mal heißt es, die Opfer seien Baal bestimmt gewesen, doch auch vom Gott Moloch ist die Rede:
Wikipedia hat geschrieben:Antike Autoren wie Diodor und Plutarch berichten, dass Kinder, vornehmlich Erstgeborene aus wohlhabenden Familien, einer Molochstatue in die Arme gelegt und durch einen Mechanismus in ein Feuer fallengelassen wurden.
- Karthago war eine der bedeutendsten Hafenstädte der Antike. Der Hafen war ringförmig, und ich glaube mich zu entsinnen, dass es sich mit Iskendria ähnlich verhält. Karthago wurde schließlich im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von den Römern nach langjähriger Belagerunf vollständig niedergebrannt. Eine weitere Parallele.

- Und zuletzt: Auch in Karthago gab es eine bedeutende Bibliothek.

Die karthagische Begräbnispraxis kenne ich nicht. In Iskendria ähnelt sie allerdings nicht der ägyptischen, sondern eher der römischen, denn die Gräber liegen vor der Stadt, entlang der Straße. Grabkammern in den Gewölben unterhalb der Stadt, in denen Mumien aufgebahrt werden, gab es in Rom zwar nicht, aber eben auch nicht in Ägypten.

Das Vorbild Iskendrias ist also definitiv nicht Alexandria, da vieles einfach nicht zusammenpasst, sondern Karthago. Tausendmal in Latein übersetzt, doch erst jetzt macht es klick... >.<


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Elfenlicht
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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Elfenlicht » Fr 27. Mär 2009, 23:14

Mmh, ich weiß nicht, ob man die Städte so einfach zuordnen kann. Ich denke, Hr. Hennen hat Anleihen bei verschiedenen Kulturen gemacht und jeweils einzelne Elemente herausgezogen. Ob er Iskendria an Karthago angelehnt hat, glaube ich aber eher nicht. Es gibt zum Beispiel keine eindeutigen Beweise für Menschenopfer, nur die kartagofeindlichen Schriften der Römer (Bericht des Diodor) über rituelle Kinderopfer. Geschichte wird ja von den Siegern, wie wir aus den Elfen wissen, manchmal gern umgeschrieben... Auch in der Bibel ist von einem Gott Moloch die Rede, dem Kinder geopfert worden sein sollen (im Libanon). Theologen weisen diese Geschichte aber mittlerweile in das Reich der Fabel. Die Geschichten des Diodor haben übrigens den französischen Romanautor Gustave Flaubert inspiriert, seinen Roman "Salammbo" zu schreiben, ein im 19. Jahrhundert sehr beliebtes Buch mit Schauergeschichten über Karthago.

Was ich für wahrscheinlicher halte: Hr. Hennen hat sich von den Atzeken inspirieren lassen. In Mittelamerika wurden nachweislich regelmäßig viele Menschen geopfert, bei Krönungen, Tempelweihen etc. Vor allem dem Sonnengott mussten Menschen, meist Kriegsgefangene geopfert werden, um mit deren Blut die aufgehende Sonne zu ernähren. Wir haben viele Quellen über die Menschenopfer, nicht nur die der spanischen Eroberer. Es gab eine große, gut organisierte Priesterkaste. Das würde auch auf Iskendria passen.
Also: Die Bibliotheksidee kommt aus Alexandria - die Stadt hatte eine sehr große, eine sehr berühmte Bibliothek - die Menschenopfer aus Mittelamerika.

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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Mithras » Sa 28. Mär 2009, 13:34

Auch wenn einige Dinge nicht passen, so halte ich es doch für sehr naheliegend, dass die meisten Inspirationen für Iskenria aus Karthago stammen. Dabei ist völlig egal, ob es sich bei diesen Inspirationen um Wahrheiten oder um Übertreibungen antiker Geschichtsschreiber handelt, schließlich könnte der Unterschied zwischen Fantasy und Realität nicht größer sein. Daher kommt es nicht darauf an, woher die Ideen stammen - wichtig ist nur, dass man sie einem bestimmten Kulturkreis zuorden kann. Heute weiß zum Beispiel jeder, dass Aeneas nicht von Venus abstammt und seine Nachfahren Romulus und Remus nicht von Mars. Für die Römer war das jedoch eine Tatsache. Jeder würde eine Geschichte, die auffällige Parallelen mit der Odyssee (also auch die Aeneis) aufweist, sofort dem grieschich-römischen Kulturkreis zuordnen - noch heute, trotz besseren Wissens.

Dass die Bibel von Moloch oder Baal berichtet, ist ganz logisch. Karthago war eine phoenizische Kolonie, und bekanntlich bezeichnet der Begriff "Phoenizien" etwa den heutigen Libanon, also das Land der Bibel. Ob nun wirklich konkret Karthago gemeint ist oder vielleicht eine andere phoenzische Stadt wie Tyros, Sidon oder Byblos, lässt sich natürlich nicht sagen und es wäre auch müßig, so etwas zu versuchen, zumal der Begriff "Baal" ja sehr heterogen ist, aber es steht für mich außer Frage, dass Iskendria vor allem phoenzisch beeinflusst ist.

Übrigens legen auch Funde von etwa 20 000 verbrannten Kinderleichen die Praxis der Menschenopfer in Karthago nahe. Zwar gibt es auch andere Theorien, doch unser heutiges Bild von Karthago ist von grausem Opferritualen geprägt, und letztlich geht es darum. Sicherlich nicht ganz unbegründet.

Dass Iskendria eine aztekische Stadt sein soll, halte ich für sehr weit hergeholt. Dagegen spricht schon allein die Tatsache, dass die Azteken ein Volk der neuen Welt waren. Hennen orientiert sich aber eindeutig an den Kulturen der alten Welt, die sich in ihrer Entwicklung deutlich von den Indianervölkern unterscheiden. Es wäre schlichtweg unlogisch, wenn diese Kulturkreise derart lange nebeneinander existiert hätten, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen. Eine kulturelle Entwicklung in diesem Sinne wäre also schwer möglich gewesen.
Auch spricht die Tatsache dagegen, dass ddie Azteken kein Volk waren, das Seehandel betrieben hat. Auch die wenigen Namen, die man erfährt, weisen eher auf einen semitischen Ursprung hin. Die Beschreibung der Architektur, der Kunst, der Kleidungen und Rüstungen usw. sprechen ebenfalls für ein Volk der alten Welt, vornehmlich für ein phoenizisches. Zum Beispiel die Darstellung von keilbärtigen Statuen. Zwar waren die Azteken für ihre Menschenopfer berüchtigt, doch die Art, wie sie diese praktizierten, weist keine Parallelen zu Iskendria auf. Schließlich gab es Menschenopfer nicht nur in Lateinamerika.
Hinzu kommen noch ein paar kleine Details wie Weihrauch etc.
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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Elfenlicht » Sa 28. Mär 2009, 21:02

Ich wollte nicht sagen, dass Iskendria eine aztekische Stadt ist. Sie kann man Sicherheit dem Mittelmeerraum zuordnen. Nur hinsichtlich der Menschenopfer kam ich auf die Idee mit den Azteken, weil sie in großem Ausmaß Menschen geopfert haben. Bei Karthago gibt es dagegen keine archäologischen Funde, die auf eine solche Praxis hinweisen. Woher hast du die Geschichte mit den 20.000 Kinderleichen?

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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Mithras » Sa 28. Mär 2009, 21:18

Steht im Kommentar zu meiner "De re publica"-Ausgabe von Cicero. Dort wird auch auf die Opferpraxis der Karthager eingegangen, denn Cicero macht den Zerstörer der Handelsmetropole zum Erzähler seines staatstheoretischen Werkes. Allerdings vermuten einige Archäologen auch, dass es sich bei den Kinderleichen um Totgeburten handelt, die dann verbrannt wurden.
Dennoch steht für mich außer Frage, dass die beschriebene Opferpraxis der Karthager (vgl. Wikipedia-Zitat) als Vorbild für den Balbar-Kult gedient hat.
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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Sanox » So 29. Mär 2009, 17:38

Alexandria heißt Al Iskendria in der landessprache
Phantasie ist besser als wissen denn phantasie ist unbegrenzt.


Gründungsmitglied des Valloncour-fanclubs.
Wer mitglied werden möchte einfach in die signatur schreiben das ihr vallancozrfnaclubmitglied seit.
(bei fragen an ollowain3 oder mich wenden)

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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Mithras » So 29. Mär 2009, 20:50

Das wurde ja bereits diskutiert, ist aber dennoch irrelevant, schließlich ist das kulturelle Leben in Iskendria weder ägyptisch noch hellenistisch geprägt.
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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von andrjank » Di 31. Mär 2009, 13:08

Den Namen und wahrscheinlich auch die Bibliothek wurden sicherlich wegen Alexandria genommen. Jedoch muss ich The Dark One Recht geben, dass die Kultur eher zu Kartago passen würde. Die Ägypter hatten so weit ich weiß bei ihren religiösen Praktiken keine Menschenopfer. Ich würde einfach sagen, dass Herr Hennen sich bei Iskendria von mehreren bekannten afrikanischen Städten hat inspirieren lassen.
- Die Intelligenz auf dem Planeten ist eine Konstante. Die Bevölkerung wächst.
- Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter
uns haben.
- Einsamkeit ist Belästigung durch sich selbst.

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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Elfenlicht » Mi 1. Apr 2009, 18:33

Auf M.T. Cicero als Kronzeugen würde ich mich aber nicht verlassen! Aber egal.

Bei dem Priester/Heptarchenzentrum in Aniscans könnte die verbotene Stadt in Peking Pate gestanden haben (nur die Idee an sich, natürlich gibt es in Aniscans nix chinesisches). Oder vielleicht auch der Vatikan, obwohl da ja im Grunde der Zugang nur etwas erschwert wird (in den Petersdom kommt man natürlich rein, aber nicht unbedingt in die Vatikanischen Gärten).

Welchen realen Bezug könnte den Valloncours haben?

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Re: Die Metropolen der Menschenwelt

Beitrag von Mithras » Mi 1. Apr 2009, 20:01

Meine Wenigkeit hat geschrieben:Steht im Kommentar zu meiner "De re publica"-Ausgabe von Cicero.
Kommentar Originaltext des Autors, sondern vom Verleger herausgegebene Zusatzinformationen zum besseren Textverständnis - Lesen bildet! ^^

Btw.: Sag nichts Falsches, Cicero hat am selben Tag Geburtstag wie ich, ich nehme also alles persönlich, was sich gegen ihn richtet! :mrgreen:

Ich glaube nicht, dass Valloncour einen konkreten realen Bezug hat - oder gibt es irgendwo in Süd- oder Westeuropa eine vulkanische Halbinsel, die weit ins Meer hineinragt?
Bernhard Hennen hat während einer Lesung mal erwähnt, man solle sich eine spanische Felsenküste vorstellen. Landschaftlich würde das schon einmal eine Zuordnung erlkauben. Außerdem wäre interessant, welche Bezüge zur realen Welt Marcilla aufweist.
Ich könnte mir vielleicht nocjh die Balearen vorstellen, die ja ein letztes Rückzugsgebiet der Templer darstellten.
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