Antagonisten in der Fantasyliteratur

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Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Mithras » Fr 19. Dez 2008, 18:46

Fantasy lebt ja letztlich von großen Gefahren, die es zu überwinden gilt. Häufig ist das "Böse" personifiziert, eine gezielte Person bzw. Personengruppe, die es zu besiegen gilt. Und häufig geht es dabei immer wieder um dieselben Themen. Welche Kriterien müssen für euch erfüllt sein, damit euch der jeweilige Hauptfeind fasziniert, oder faszinieren euch Antagonisten generell nicht?

Zwei Dinge sind mir ganz besonders wichtig:

Zum einen muss den Antagonisten eine Aura von Unnahbarkeit, voller Geheimnisse umgeben. Er muss mächtig sein, doch seine Macht und sein Wesen sollte anfangs noch nicht zu sehr hervorstechen. Ebenso sollte er auch auf einem gewissen geistigen Niveau stehen - soll heißen: sich vollauf dessen bewusst sein, was er tut, und kein primitiver Barbar sein. Ganz besonders Intrigen haben es mir angetan, Täuschung und völlig überraschende Wendungen sind Pflicht.

Zum anderen sollte die Motivation genau ausgearbeitet und realistisch sein. Ich will mich in den Gegner hineinversetzen können, seine Ziele verstehen, alle Seiten kennen. Wenn die Grenzen zwischen "gut" und "böse" verschwimmen, wenn man innerlich die Zwiespältigkeit der Handlung nachfühlen und sich nicht bedingungslos für eine Seite entscheiden kann, dann entsteht dadurch ein ganz besonderer Reiz, eine höhere Dramaturgie, die den Leser innerlich aufwühlt. Einfach nur anderen etwas Böses wollen, ohne bestimmten Grund, trägt nicht gerade dazu bei, dass ich das Handeln des Gegners nachvollziehen kann. Genauso ergeht es mir mit reiner Machtgier. Natürlich ist das ein durchaus realistischer Beweggrund, aber - auch wenn es seltsam klingen mag - es trägt nicht gerade dazu bei, dass ich mich mit dem Gegner identifizieren, ihn sympathisch finden kann. Denn gerade das macht es für mich spannend.

Dabei sollte das Bild des Gegners erst langsam gezeichnet werden. Noch soll vieles im Unklaren bleiben, erst allmählich sollen die Motive bekannt werden, und dann soll man auf schockierende Weise mit der Frage konfrontiert werden, ob man vielleicht doch auf der falschen Seite stehen könnte. Doch so sehr dann die Hauptperson mit sich auch hadert, so sehr der Gegner auch versucht, diese Zerrissenheit für seine Zwecke auszunutzen, am Ende muss sich der Protagonist entscheiden - und das muss in allen Fällen mit herben Entbehrungen verbunden sein.

Das Wesen sollte sich auch nicht im Aussehen wiederspiegeln. Deshalb kann ich z.B. mit einem gehörnten Dämon oder, einem Todesengel mit riesigen schwarzen Schwingen oder einem Alb mit einem schädelgleichen Gesicht wie bei Heitz nicht viel anfangen. Der Gegner sollte nicht als solcher auffallen.

Das ist natürlich ein Idealbild, das in keinem mir bekannten Fantasybuch perfekt umgesetzt ist. Der Devanthar trifft es am ehesten, er ist wirklich gut gelungen, aber das eine oder andere Detail stimmt noch nicht ganz. Wenn jemand wissen will, was ich mir für "meinen" Antagonisten überlegt habe, soll er sich einfach hier melden! ^^
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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Mandred Aikhjarto » Fr 19. Dez 2008, 18:51

Für mich müssen sie übernatürlich wirken, mächtis und sogleich ebenbürtig das man glaubt eine Change zu haben.
Ich schwöre bei dem Blute, mit dem der Stoff durchtränkt ist, dass meine Axt von heute an zwischen dir und all deinen Feinden stehen wird!

Bernhard Hennen Gruppe in Lokalisten :

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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Mithras » Sa 20. Dez 2008, 11:33

Ich mag es eher, wenn sie nicht nur überlegen wirken, sondern ihre Überlegenheit auch schamlos ausspielen - am besten in einer spektakulären Enthüllungsaktion, aus der sie siegreich und unversehrt hervorgehen. Sie sollen erst einmal zeigen, was in ihnen steckt. So wie Jules aka Devanthar in "Elfenlicht" - im Übrigen meine Lieblingsstelle in diesem Buch.

Erst im Laufe der Zeit soll man dann mehr über ihre Schwächen erfahren. Damit meine ich vor allem ihre psychischen Schwachpunkte, denn ich liebe es, wenn sich die Gegner als gebrochene Charaktere herausstellen, die man für ihr Schicksal eigentlich bemitleiden müsste - würden sie in ihrer Verzweiflung nicht Dinge tun, die man ihnen nicht verzeihen kann. Die Motive sollen in diesem Zusammenhang auch erst allmählich geklärt werden, damit es umso schwieriger wird, den Gegner bedingungslos zu hassen. Diesen Zwiespalt liebe ich, denn wer seinen Feind als Leser abgrundtief hasst, der unterteilt in meinen Augen zu stark in Gut und Böse. Ein Gegner, in dessen Lage man sich hineinversrzen und den man verstehen kann, wühlt mich dagegen auf und macht es schwer, sich zu entscheiden. Ganz besonders reizvoll wird es dann, wenn auch der Gegner im Verlauf der Geschichte eine Wandlung durchläuft.
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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von andrjank » Sa 3. Jan 2009, 15:22

Dies kann ich nur bestätigen. Bücher in denen auch der Gegner näher beleuchtet wird und man dann allmählich beginnt zu begreifen, warum dieser so handelt und er eigentlich keine große Wahl hatte, finde ich sehr faszinierend. Genau dies ist Herrn Hennen in der Elfenritter-Trilogie wirklich gut gelungen. Man konnte dort die Handlungen und Beweggründe der Ritter vom Blutbaum wirklich gut nachvollziehen. Ich habe mich zeitweise wirklich gefragt wer nun eigentlicht die wahren Feinde sind.
- Die Intelligenz auf dem Planeten ist eine Konstante. Die Bevölkerung wächst.
- Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter
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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Mithras » So 4. Jan 2009, 11:22

Ich nie. Die Tjuredkirche ist der Aggressor, auch ohne Devanthar an der Spitze ist sie gefährlich genug. Man kann nicht für sie sein, doch man kann ihre Schachfiguren durchaus sympathisch finden. Die sind ja nicht "böse" (ich hasse dieses Wort), sondern "nur" verblendet, wobei das schon schlimm genug ist, wenn es als Rechtfertigung für ihr brutales Vorgehen herhalten muss. Doch man versteht, warum die Gegner so sind, wie sie sind, und man fiebert sogar mit ihnen mit. Es kam bisher selten vor, dass ich für eine Person gleichsam Hass wie auch Mitleid und Sympathie empfunden habe. Man muss sich entscheiden, auch wenn es mitunter schwer fällt. Meine Entscheidung habe ich trotzdem mühelos fällen können.
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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von andrjank » Mo 5. Jan 2009, 09:00

Natürlich fällt die Entscheidung, wenn man sie rein logisch fällt ganz klar gegen die Ordensritter aus. Jedoch gibt es in Elfenritter immer wieder Textpassagen, wo man sie wirklich gut verstehen kann und wirklich mit ihnen mitfiebert. Vor allem in den Kapiteln wo Gishild auf Valoncour ist und dort ihr Leben mit den Ordensrittern, ihre Gedanken und ihre sich verändernden Gefühle für diese beschrieben werden, kann ich die Ordensritter wiklich gut verstehen und ich komme nicht umhin mir Gedanken darüber zu machen, ob sie wirklich einfach nur schlecht sind.
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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Mithras » Mi 7. Jan 2009, 17:00

Ich habe nie davon gesprochen, dass die Ordensritter "einfach nur schlecht" sind. Ihre Motive sind nichtig, da sie ihnen über Jahrhunderte hinweg eingeflüstert worden sind. Sie wissen gar nicht, dass es sich bei ihnen nur um Marionetten handelt, und auch wenn das so manches entschuldigt, sollte man wissen, dass zu Beginn ihres Kreuzzuges eine Lüge steht. Verständnis für ihre Motive kann ich nicht aufbringen, da diese Motive fingiert sind. Die Elfen würden sie so oder so hassen und auszurotten versuchen, insofern ist es völlig egal, wie sich diese verhalten. So kann ich zwar verstehen, warum der Hass der Tjuredanbeter auf die Elfen wächst, aber im Grunde ist das ihre eigene Schuld.
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Sanox
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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Sanox » Mi 7. Jan 2009, 19:24

also der von dark one beschriebene Typ Feind gefällt mir auch aber ich finde es noch faszienierender wenn man nicht genau weiß wer der Feind (wirklich) ist und man es selbst erratten kann. Am Besten ist dan wen der Feind ein scheinbarer Verbündeter ist.
Phantasie ist besser als wissen denn phantasie ist unbegrenzt.


Gründungsmitglied des Valloncour-fanclubs.
Wer mitglied werden möchte einfach in die signatur schreiben das ihr vallancozrfnaclubmitglied seit.
(bei fragen an ollowain3 oder mich wenden)

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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Mithras » Mi 7. Jan 2009, 20:36

Das sowieso. Überraschende Wendungen gehören schließlich in jedes gute Buch, und da letztlich der Gegner die Handlung bestimmt, erübrigt sich der Rest. Allerdings ist es Standard, dass der Gegner ein vermeintlicher Verbündeter ist, man muss sich also etwas überlegen, damit das nicht zu eindeutig wird. Zum Beispiel allmählich ein ganzes Sammelsurium an Gegnern vorstellen, stimmig alle Lücken schließen und einen oder zwei überragende Antagonisten vorstellen, die auf komplizierte Weise miteinander verwoben sind, so dass sich eigentlich alles daraus ergibt. Doch irgendwann wird dieses Bild aus einer anderen Perspektive geschildert und eine weitere Person rückt in den Mittelpunkt, zerstört das alte Bild und fügt sich doch stimmig ein. Zum Beispiel ein vermeintlich verbündeter Feldherr, der den Feinden, seiner Verbündeten, absichtlich den Sieg ermöglicht hat.
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Re: Antagonisten in der Fantasyliteratur

Beitrag von Gondoran » Di 27. Jan 2009, 15:38

Ich finde einen typischen Dunklen Herrscher a´la Tolkien
am besten.
Allerdings muss man sagen, dass bis jetzt noch kein Schriftsteller an
Morgoth herankommt.

wer "Die Kinder Hurins" gelesen hat, wird bestätigen, dass Morgoth, der ja ein Gott ist,
wirklich mächtig ist, im Vergleich dazu ist Lord Voldemort ein Kindergärtner....

Also finde ich besonders MÄCHTIGE Feide am Besten.

Der Devanthar ist Bernhard Hennen wirklich genial gelungen,
da man spätestens nach Elfenlicht einen unglaublichen Hass gegen ihn
verspürt, das hat davor nur Tolkien geschafft.

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