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Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: Sa 1. Mär 2014, 21:12
von Orgrim_117
Hallo Leute,

ich habe letzte Woche den Roman "Kriegsklingen" von Joe Abercrombie (ob der wohl ein Mitglied der Familie von "Abercrombie and fitch ist? :?: ) gelesen und komme nun nicht umhin, ein weiteres mal ein Loblied auf die Sprache von BH anzustimmen.

Sicher, das Buch war nicht schlecht, und ich werde mir vermutlich auch noch die restlichen Teile zulegen, aber man merkt Abercrombie doch an, dass er eher ein "Holzhacker" denn ein "Fechter" ist, wenn es um den Stil seiner Sprache geht. Von den mitunter häufig gebrauchten Ausdrücken einmal ganz abgesehen.

Dennoch finde ich seine Charaktere durchaus interessant. Als da wären der sehr überlegt reagierende Barbar "Neunfinger" Logen und der überaus zynische Inquisitor Sand dan Glokta. Mit der Figur des Jezal konnte ich hingegen gar nichts anfangen. Er erschien mir eher mit den Eigenschaften eines Antagonisten gesegnet zu sein.


Hat noch jemand Erfahrungen mit der Buchreihe gemacht?
Was haltet ihr davon?

Re: Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: So 2. Mär 2014, 17:12
von Eisfeder
Die First Law Trilogy und die drei standalone Bücher von Abercrombie gehören definitiv zu meinen Favoriten. Dazu muss gesagt werden, das The Blade Itself/Kriegsklingen wohl das "schlechteste" Buch der Reihe ist, die nächsten Teile verbessern sich um einiges hinsichtlich des Schreibstils, des World-buildings und der Erzählweise.

Zur Sprache kann ich nur sagen, dass ein eleganter Stil à la Hennen und Abercrombie einfach nicht zusammenpassen. Hennen schreibt epische Fantasy, Abercrombie nimmt das Genre auf die Schippe. Bei ihm gibt es keine schillernden, ehrenhaften Helden, die auf weißen Pferden davonreiten um die Prinzessin aus den Klauen des bösen Magiers retten, sondern jede einzelne Figur hat ihre eigenen Leichen im Keller. Es geht nicht um Gut vs. Böse, sondern um Böse vs. noch Böser. So wird eben auch nichts schöngeredet, die Sprache unterstreicht vielmehr die düstere Story.
Die Bücher kann man wohl zu dem zuordnen, was man heutzutage "grimdark" nennt, Abercrombie selbst nennt sich auf Twitter LordGrimdark. :D

(Ich habe übrigens alle Bücher in der Originalfassung gelesen, also kann ich die Übersetzung nicht beurteilen.)

Die Charaktere sind meiner Meinung nach alle sehr gelungen, und man muss sie nicht einmal zwangsläufig mögen um Spaß am Lesen zu haben. Es gibt einige überraschende Wendungen für manche Charaktere, die ganz andere Seiten von ihnen beleuchten, und die Meinung des Lesers entsprechend auch drastisch ändern können, wobei die besten Beispiele wohl Bayaz, Logen und Caul Shivers sind.
Jezal, welcher (neben Logen und Nicomo Cosca) einer meiner liebsten Charaktere der Reihe, hat in den nächsten beiden Büchern wohl die größte Charakterentwicklung vor sich.

Also, weiterlesen lohnt sich! ;)

Re: Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: Mo 3. Mär 2014, 15:23
von Orgrim_117
Danke für den ausführlichen post, Eisfeder.

Zum Buch: Ich hatte eigentlich schon den Eindruck, Abercrombie wollte nicht unbedingt eine Parodie mit seinem Buch, bzw. seiner Buchreihe schaffen.
Natürlich sind viele Passagen sehr humorvoll geschrieben, im großen und ganzen ist die Geschichte dann aber doch zu brutal, um zur "comedy" zu gehören. Ich habe, was das angeht, allerdings auch nur den Vergleich mit Terry Pratchett. An einigen Stellen wirkt die story sehr düster, da stimme ich voll und ganz zu.

Wenn sich die Handlung und die Ausarbeitung der Figuren in den weiteren Büchern noch steigert, bin ich beruhigt, denn das erste Buch erschien mir doch sehr...nunja, nicht ganz ausgereift. Da gab es die Bedrohung aus dem Norden, die von innen verfaulende Union und den offenbar überaus mächtigen Magier...aber Abercrombie geht nie ins Detail. Gut, das mag noch kommen, deshalb gibt es ja Fortsetzungen.

Ehrlich gesagt war ich schon lange nicht mehr so zerrissen, was meine Meinung über ein Buch angeht.
Ich werde wohl die weiteren Teile lesen, und mir dann eine Meinung bilden.
:)

Re: Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: Mo 3. Mär 2014, 17:46
von Eisfeder
Mit "das Genre auf die Schippe nehmen" meinte ich keine Parodie im üblichen Sinne, sondern dass Abercrombie viele existierende Klischees der epischen Fantasy einfach umdreht. Um das zu ermöglichen, muss man diese ja erstmal in der Welt etablieren, was im ersten Buch passiert. Also ich will jetzt hier nichts vorwegnehmen, aber spätestens am Ende des zweiten Buches, weißt du was ich meine. :D Das ganze findet dann seinen krönenden Abschluss in Buch 3.

EDIT: Zum Thema Genre auf die Schippe nehmen, siehe meine Signatur. xD

Viele Details kann man bei Abercrombie nicht erwarten (dafür lieber Erikson lesen! :D), er selbst hat mal gesagt, dass das World-building so minimalistisch ist, weil die Charaktere und deren Entwicklung im Vordergrund stehen sollten. Natürlich gibt es trotzdem noch viel Action, aber in den meisten Fällen erfährt man nicht viel über die Vergangenheit (auch dafür Erikson lesen! :D); die Story beschränkt sich auf das Hier und Jetzt. Keine Angst, ein bisschen was erfährt man schon noch in den kommenden Büchern, und das Wichtigste wird definitiv geklärt. ;)

Viel Spaß beim Weiterlesen, manchmal wünsche ich mir, dass ich mein Gedächtnis löschen könnte, um die Bücher nochmal von vorn genießen zu können. :D

Re: Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: So 9. Mär 2014, 14:48
von Orgrim_117
Ich habe mittlerweile mit dem zweiten Band begonnen und muss an dir an dieser Stelle meinen Dank aussprechen, Eisfeder, Abercrombie hat sich tatsächlich deutlich gesteigert. Meines Erachtens ist er jetzt in der Geschichte "angekommen." Die Helden werden noch besser dargestellt und sie fangen an, mir richtig ans Herz zu wachsen...allen voran natürlich "Neunfinger" Logen und Glokta.

Aber auch die einstigen Gefährten Logens werden immer sympathischer...nunja, sympathisch sind die Jungs ja eigentlich nicht, aber dennoch irgendwie klasse.

Wie heißt der "Hundsmann" eigentlich im Original?
Dogman?

Re: Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: So 9. Mär 2014, 16:14
von Eisfeder
Ja genau, er heißt Dogman. ;)

Und ja, die Jungs haben schon ihren Charme. :D

Re: Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: So 20. Apr 2014, 19:45
von Eisfeder
Orgrim, hast du die Trilogie denn schon zu Ende gelesen? Mich würde deine Meinung dazu mal interessieren. :D

Re: Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Verfasst: So 20. Apr 2014, 22:08
von Orgrim_117
Ich habe das zweite Buch durch.
Es war richtig klasse, muss ich sagen.
Die Figuren werden viel besser ausgearbeitet, ebenso die Welt an sich.
Nur wenigen Autoren ist es bislang gelungen, mir die Charaktere so sehr
"ins Herz zu schreiben" wenn ich das sagen darf.
(*Hust* Einer davon ist natürlich Bernhard Hennen.)

Gloktas Verteidigung von Dagoska gegen die Gurkhisen war toll beschrieben.
Der Schwarze Dow und natürlich der Hundsmann sind besonder hervorzuheben.
Zu Beginn fand ich den Schwazen Dow zu böse...aber nach einer gewissen Szene
mit West und einem gewissen geckenhaften Mann im Wald an einer Klippe, hat er
mich gänzlich für sich eingenommen.

Ich brenne auf das dritte Buch und will mich doch zurückhalten, und es erst im Sommer lesen,
wenn es schön warm ist.^^